"Starke Mädchen*, starke Frauen*"
Seit Herbst 2023 gestaltet FiPP e.V. das Projekt "Starke Mädchen*, starke Frauen*" im Kosmosviertel. Finanziert aus dem Programm Sozialer Zusammenhalt - Projektfonds Programmjahr 2023.
Im Rahmen des Projektes werden zum einen stärkende Angebote für Mädchen* und Frauen* im Kosmosviertel weiterentwickelt und gestaltet, sowie die Sichtbarkeit von Anliegen weiblich gelesener Menschen und ihre Leistungen für ein gelingendes Zusammenleben im Kosmosviertel gefördert werden.
Hierzu werden in Kooperation mit anderen Projekten im Kosmosviertel Aktionen im Öffentlichen Raum organisiert die Austausch und Auseinandersetzung mit relevanten Themen fördern und die Menschen vor Ort abholen können.
"Starke Mädchen*, starke Frauen*" bietet regelmäßig stärkende Angebote wie Boxen für Minta* & Flinta* und ein Austausch- & Begegnungsangebot.
Das Projekt endet im Dezember 2026. Etablierte Formate wie die “Tarken Stunden” oder die MINTA*-Gruppe an der Grundschule am Pegasuseck versuchen wir zu verstetigen, indem wir engagierte Personen aus dem Sozialraum involvieren und andere Partner*innen wie z.B. das Projekt “Willkommen in Altglienicke” für eine Weiterführung gewinnen.
Freiräume und Angebote für Mädchen* und Frauen* - Projekt "Mein Limit" endete am 30.6.26
Die Situation von Mädchen und jungen Frauen in Treptow-Köpenick
Im Juni 2026 lebten mehr als 305.000 Menschen im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Darunter befanden sich rund 50.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Der Bezirk gilt als wachsend und zieht wegen seiner Natur und der hohen Lebensqualität besonders viele junge Familien an.
Etwa die Hälfte dieser jungen Generation sind Mädchen* und junge Frauen*. Sie tragen ein besonders hohes Risiko, Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden. Wie akut dieses Problem ist, zeigt die SPEAK!-Studie: Fast jede*r vierte befragte Jugendliche gab an, bereits körperliche sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Dabei sind Mädchen* um ein Vielfaches häufiger betroffen als Jungen*. So berichteten 30 % der Mädchen*, dass sie bereits gegen ihren Willen an Brust oder Gesäß berührt wurden – bei den Jungen* waren es 5 %. Auch ungewollte Küsse oder Berührungen im Intimbereich trafen Mädchen* mit rund 23 % dreimal so oft wie Jungen*. Besonders deutlich wird der Unterschied beim Zwang zum Geschlechtsverkehr: 10,8 % der weiblichen Befragten wurden bereits zum Sex gedrängt oder gezwungen, während dies auf 1,4 % der männlichen Jugendlichen zutraf. Zudem nimmt die Wahrscheinlichkeit, solche Gewalt zu erfahren, mit dem Alter der Jugendlichen fast gleichmäßig zu.
Die Lebenslagen der Mädchen* im Bezirk sind sehr unterschiedlich. Zwar schützt eine privilegierte soziale Herkunft nicht grundsätzlich davor, Opfer zu werden, doch es gibt klare Risikofaktoren. Ein problembelastetes familiäres Umfeld oder kognitive Einschränkungen machen Mädchen* nachweislich verletzlicher. Eine besonders gefährdete Gruppe bilden geflüchtete Mädchen* und Frauen*. Im Jahr 2025 lebten rund 3.200 Geflüchtete in bezirklichen Unterkünften. Ihr Alltag ist oft von Enge, Unsicherheit, Existenzängsten und den Traumata der Flucht geprägt. Da sie in einem fremden Umfeld leben, in dem ihnen Regeln und Autoritäten anfangs unvertraut sind, werden sie in den Unterkünften überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalt.
Die anhaltend angespannten gesellschaftlichen Krisen verschärfen diese riskanten Strukturen weiter. Da staatliche Ordnungskräfte allein keinen ausreichenden Schutz bieten können, braucht es andere Lösungen. Notwendig ist ein gut vernetztes System aus Beratungsstellen, die für Betroffene und Angehörige sehr einfach und ohne Hürden zugänglich sind. Gleichzeitig sind langfristige Präventionsangebote entscheidend, um Mädchen* und Frauen* zu stärken, Gefahren frühzeitig abzuwehren und im Krisenfall verlässlich zu helfen.
Das Projekt Mein Limit - mit dir auf Augenhöhe verfolgte das Hauptziel, in Treptow-Köpenick einen sicheren Beratungs- und Schutzraum für Mädchen* und junge* Frauen einzurichten, um sie vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Durch leicht zugängliche, vorbeugende Angebote sollten die Teilnehmerinnen informiert und gestärkt werden. Zum einen lernten sie, wo sie im Ernstfall konkrete Hilfe finden und worauf sie dabei achten müssen. Zum anderen half das Projekt den Mädchen*, ihre eigenen Stärken zu entdecken. Dies geschah durch den Austausch in Gruppen, selbst gestaltbare Freiräume und spezielle Workshops, in denen sie unter anderem Wissen über ihren eigenen Körper erlangten. Ein wichtiger Baustein war dabei die Arbeit direkt an Schulen: In Zusammenarbeit mit den Vereinen Wildwasser und berliner jungs konnten Mädchen* und Jungen* flächendeckend erreicht werden.
Um die Jugendlichen unkompliziert anzusprechen, nutzte das Projekt flexible Formate in der offenen Jugendarbeit. In Kooperation mit den berliner jungs gelang es, diese Angebote erfolgreich in verschiedenen bezirklichen Jugendeinrichtungen zu verankern. Gerne hätte das Projekt noch mehr Standorte in ganz Treptow-Köpenick unterstützt, was jedoch mit den vorhandenen Mitteln nicht möglich war. Die Erfahrung zeigt, dass eine regelmäßige Präsenz vor Ort und eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit unverzichtbar sind. Nur so können gefährdete Mädchen* Unterstützung annehmen oder überhaupt erst ein Bewusstsein für die eigene Situation entwickeln.
Ein weiteres wichtiges Ziel war es, das Fachwissen zum Thema sexualisierte Gewalt im Bezirk zu verbessern. Das Projekt beriet deshalb pädagogische Fachkräfte im Einzelfall und organisierte die Veranstaltungsreihe „Mein Limit-Fachaustausch“. Die genauen Themen dafür wurden gemeinsam mit den Partnervereinen entwickelt und orientierten sich eng an den praktischen Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem pädagogischen Alltag.
Seit Juli 2026 wurde die Förderkulisse im Flexibudget verändert. Primärpräventive Projekte wie Mein Limit konnten nicht weiter über diesen Topf gefördert werden, weshalb wir das Projekt leider beenden mussten.
Eure Statements für mehr Geschlechtergerechtigkeit
Am 7.3.2024 haben wir mit allen Interessierten über Geschlechtergerechtigkeit gesprochen und gemeinsam Statements dazu gestaltet. Hier einige Eindrücke.
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